Nachdem wir auf dem letzten Abschnitt des Kanals nochmals das Cargoschiff mit zuviel Tiefgang überholt hatten, erreichten wir gegen 13:00 die „Petite Saone“. Woher das „petite“ kommt, hat sich mir nicht erschlossen. Endlich Weite und die Möglichkeit zur Unachtsamkeit. Yippie!
Die drei Schleusen auf der Petite Saone waren ein Kinderspiel, schön breit und mit mindestens 1 Meter Abstand zum oberen Füllstand der Schleuse. Die Fender waren wieder nützlich. Einziger Wermutstropfen war der Dauernebel, gesehen haben wir die Ufer meist nicht. Und der Nebel hielt sich hartnäckig. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Saint-Jean-de-Losne, der Anlegeplatz ohne erkennbare Festmacher. Glücklicherweise hatten schon zwei Boote festgemacht, also musste es da ja was geben. Und siehe, zwischen der Pflastersteinen der Uferbefestigung waren große Ringe eingelassen, vom Boot aus unsichtbar (vielleicht liegt das am Alter).
Vor uns hatte ein Island Packet 35 festgemacht, Superboot, nur leider auf dem Weg nach Deutschland. Immerhin konnten die Eigner zwei Jahre Mittelmeer genießen.



Unsere letzten Meter auf dem Kanal Champagne entre Boulgne: es gibt viele Schleusen, aber wenig Einkaufsmöglichkeiten. Restaurants sind auch so selten wie Hühnerzähne, und bei Dunkelheit (so gegen 17:30) wandern wir nicht so gerne über unbekannte Felder.

Das letzte Schleusenwärterhäuschen auf dem Kanal. Wer gerne einsam wohnt, kann die Häuschen meines Wissens kaufen.

Endlich auf der „Petite Saone“. Es gab zwar auch Schleusen, aber viel geräumiger als die im Kanal.



Zurück in der Zivilisation: Saint-Jean-de-Losne; leider war alles grau. Zumindest gab es einige Restaurants im Städtchen, und sogar in Ufernähe. Das Essen war vorzüglich, doch husteten nebst Bedienung auch fast alle Gäste.




Petite Saone, 10.November
Ein kalter und nebliger Tag, die Sonne kam überhaupt nicht durch. Zum Glück ist der Fluss breit und fast ohne Verkehr. Großschifffahrt war gar keine. Wir waren abwechselnd am Steuer, in den Pausen bin ich mit voller Montour unter die Bettdecke gekrochen. Alles war kalt. Der Motor ist warm, aber bei geöffneter Klappe der Lärm unerträglich. Also weiter mit kalten Füßen. Dies war der Tag ohne Fotos, es gab nur Nebel zu sehen. Trotzdem schafften wir es bis Chalon-sur-Saone (von der Petite Saone in die Saone).
In der Marina von Chalon, zum Glück mit Seitenanleger.


Am nächsten Tag wurde des Waffenstillstands (1. Weltkrieg) und der Opfer des Krieges gedacht, ein hoher Feiertag, an dem alle Schleuses geschlossen blieben. Das Shopping Center neben dem Hafen war jedoch geöffnet und hat alles zu bieten, was nötig und unnötig ist. Wieder im Boot fühlte ich mich total krank, Gliederschmerzen und ultramüde. Nun gut, wir konnten ohnehin nicht weiter, also ausruhen. Leider war der nächste Tag nicht besser, aber wir mussten weiter, denn es wurde immer kälter. Wir kamen von Chalon nach Macon und fanden dort wieder eine Marina.
Chalon wäre bestimmt einen längeren Aufenthalt wert gewesen.




Am nächsten Tag (12.11) ging es weiter nach Macon. Mich hatte es erkätungstechnisch voll erwischt, und es war richtig kalt und ungemütlich. Zum Glück hielt Joe die Stellung.
Auf der Saone, zum Glück drohte der Regen nur:


Und ein paar Häuser ….


Wir blieben zwei Tage in Macon und dämmten die Kabine auf der Steuerbordseite. Das war bei diesen Außentemperaturen auch bitter nötig. Leider reichte der Dämmschaum nicht aus, aber zumindest die Platten sind verlegt.
Dann kam endlich wieder ein sonniger Tag mit stolzen 10° C. In dieser Nacht legten wir nach der Brücke in Neuville-sur-Saone an. Mein Logbuch sagt: „The cold is a killer“.





Wir verlassen Macon ….


Unterwegs war nicht viel los, es gab kaum Berufsschifffahrt.
Dann in Neuville-sur-Saone, am Morgen war dort Markt. Wir erstanden leckeres Obst und Brot.




Vor uns lag jetzt Lyon; hier treffen sich Saone und Rhone. Unser Reiseführer berichtet von viel Berufsschiffahrt auf der Rhone, mal sehen, was uns blüht. Mit geht es etwas besser, aber immer noch „färtisch“.


Auf nach Lyon, es ist kalt, aber nicht mehr weit…










Wäre es etwas wärmer gewesen, hätten wir einige Tage in Lyon verbracht, aber wir wollten jetzt nur nach Süden, in der Hoffnung auf Wärme.
Nach Lyon kam die Rhone in Natur.







We moored that night at Ampuis (PK 35, Bild links). Leider wurde es schon früh dunkel, und da war weiterfahren keine gute Idee. Außerdem waren wir ziemlich durchgefroren, wir hatten 8° oder 9° C, auf dem Wasser etwas ungemütlich. Ein paar Kniebeugen am Lenkrad halfen auch nicht wirklich zum Warmwerden, meist war die Wirkung nach 5 Minuten wieder verflogen.
Ampuis war sehr schön zum Übernachten, vom nahegelegenen Hügel sah man (oh Schreck) weiße Bergspitzen. Kein Wunder, dass es kalt war, die Alpen waren nicht weit.
Am nächsten Morgen (wir schreiben den 16.11.2024) war es richtig frisch, nur noch 2°C. Ein warmes Büro schien jetzt eine gute Alternative, aber nein, es gab Kühlschrank.








Impressionen von der Rhone, schön ist sie ja, und da war niemand. Es kam ab und an ein einsames Berufsschiff vorbei, das war es dann. Die Schleusen sind angenehm, riesengroß und mit Schwimmpollern ausgestattet. Wegen des geringen Verkehrs waren wir meist allein in der Schleusenkammer.
Nur in Gervans hatten wir eine unangenehme Begegnung mit einem Lebensretterboot. Die erzeugten nach der Schleuse soviel Schwell, dass uns Teller und Tassen durch die Kabine flogen. Wollten die an uns üben, oder waren es einfach nur A …
Die Lebensretter legten in Tournon an, ein weiterer Grund für uns, da nicht festzumachen. Der Steg ist klein und unruhig, wir fuhrer weiter nach „La Roche de Glun“ (PK 98). Die Pontons waren dort noch ausgelegt, obwohl offiziell schon geschlossen.
Am nächsten Morgen waren wir einkaufen in Glun, danach ging es weiter.









Es wurde schon dämmrig, als wir Cruas erreichten (PK 145) und versuchten, dort in den Hafen zu kommen. Natürlich fuhren wir zum Vergnügen der dort Angelnden auf Grund, die Einfahrt war mit Reisigbündeln markiert, aber selbst für und mit 1,21 m Tiefgang zu flach. Also weiter, und es wurde schnell dunkler. Ein Hafen war nicht in der Nähe, und die Festmacher dort nur für Berufsschifffahrt ausgelegt. Wir hätten uns die ganze Seite aufgechrammt. Also war ankern angesagt. Im Internet berichtete jemand vom Ankern bei PK 151,5 , ganz in der Nähe also. Da war ein schöner Wall, dahinter konnte man bestimmt gut liegen. Leider hatten wir bei Verlassen des Fahrwassers etwas zuviel Geschwindigkeit, und außerhalb des Fahrwassers verringerte sich die Wassertiefe sofort auf ca. 1 Meter. Wir saßen fest. Rückwärtsfahren half nicht, wir waren richtig aufgefahren. Endlich kam ein Containerschiff, und wir hofften, dass wir mit Hilfe des Schwells loskommen könnten. Es gab Welle, aber wir bewegten uns nur hoch und runter.
Also musste der Anker helfen. Den kleinen Anker mit 6 kg konnte Joe noch werfen, und mit Zug auf Anker und mit Motor kamen wir endlich los. Es war inzwischen recht duster, und wir näherten uns vorsichtig dem Ufer, diesmal nördlich des Walls. Bei PK 151,7 fanden wir eine schöne Stelle und richteten uns für die Nacht ein. Kaum saßen wir und genossen den Abend, ging es mit dem Wind los. Es blies aus Norden, und der Schwell auf der Rhone war beträchtlich. Hauptsache, der Anker hält, und er hielt bei ca 2,4 m Wassertiefe.
Es war der 18.11., und der Wind aus Nord war am nächsten Tag unser bester Freund. Wir flogen förmlich dahin (naja, 7 Knoten).














Es gab auf diesem Anschnitt keinerlei Liegeplätze, also fragten wir bei der Schleuse Caderousse (PK 215) an. Normalerweise darf man übernachten, zumal hier die Schleusen in der Nacht schliessen.
Bei St-Etienne-des-Sorts gibt es im Winter keine Anlegemöglichkeit, Ankern bei PK 212 ungeeignet.
19.11., seit mehr als 2 Monaten unterwegs. Wasser war wieder mal knapp, aber Avignon nicht mehr weit. Zwar ist da die Anlegestelle im Winter geschlossen, aber irgendwo lässt sich in der Stadt bestimmt Trinkwasser auftreiben. Um nach Avignon zu gelangen, muss man in einen Altarm der Rhone einfahren. Es geht dann 3 km gegen die Strömung.
Der Halte Nautique in Avignon war nach Auskunft der netten Dame am Telefon geschlossen, aber der Strom war nicht abgeschaltet und der Wasseranschluss in der Nähe eines Hotelbootes funktionierte auch. Wir mussten zwar etwas laufen, aber unser Bollwerwagen leistete wieder gute Dienste.

















Wir blieben eine Woche in Avignon. Wir mussten einkaufen, und dann war noch heftiger Mistral angesagt. Mit zuviel Rückenwind in die Schleuse ist wohl auch nicht schön. Avignon gefiel uns gut, eine richtig nette Stadt.
Außerdem brauchten wir eine neue Gasflasche (es gab keine, die in unsere Backskiste passte). Wir besuchten viele Baumärkte in und um Avignon. Der öffentliche Nahverkehr ist günstig (1,40 € pro Fahrt).














